Wie kann ich mein Nabelschnurblut einlagern lassen? Eine Übersicht zum Ablauf

Schwanger

Da das Nabelschnurblut wertvolle Stammzellen besitzt, macht eine Einlagerung oder Spende durchaus Sinn. Die folgenden Informationen zu Entnahme und Lagerung sollen dir darum helfen, die für dich richtige Entscheidung zu treffen. Beispielsweise die Frage, welcher Nabelschnurbank ich mich anvertrauen soll, und was es sonst noch alles zu beachten gibt. Du wirst sehen, dass die Angelegenheit viel einfacher ist als du dir das sicher Anfangs vorgestellt hast. Was eine Einlagerung in Deuschland kostet und welche Anbieter es gibt, haben wir für dich in einem Kostenvergleich hier beschrieben.

 

Welcher Nabelschnurblutbank soll ich mich anvertrauen?

Grundsätzlich gibt es private und öffentliche Nabelschnurbanken – eine Liste der privaten Banken und einen Kostenvergleich findest du hier. Zuallererst kannst du dich als angehende Mutter bei der Entbindungsklinik darüber informieren, mit welchen Nabelschnurbanken diese zusammenarbeitet. Dahingehend haben wir schon die Städte Berlin, München, Hamburg, Köln, Erlangen und Leipzig recherchiert. Natürlich kannst du den Weg auch andersherum gehen und deine bevorzugte Nabelschnurblutbank direkt kontaktieren, damit sie die Verbindung mit deiner Entbindungsklinik herstellt[1]. Nachdem Präparate aus Nabelschnurblut unter das Arzneimittelgesetz fallen, muss die bevorzugte Nabel­schnur­bank eine entsprechende Herstellungserlaubnis haben – darüber hinaus haben manche auch TÜV-Zertifikate. Bei einer privaten Nabelschnurbank fallen im Vergleich mit einem öffentlichen Anbieter höhere Kosten an. Dafür wird das Nabelschnurblut mit den darin enthaltenen Stammzellen ausschließlich für dein Kind eingelagert. Bei einer Spende hingegen stellen die öffentlichen Nabelschnurbanken das Nabelschnurblut auch für andere Kinder bereit. Eine Nabelschnurbank soll neben einer guten Beratung auch ein großes Maß an Seriosität und Diskretion ausstrahlen – manche bieten auch eine kostenlose Telefonberatung an[2]. Eine gute Nabelschnurblutbank erkennst du an einer professionellen Fachabteilung, die mit Geduld und Erfahrung sich deinen persönlichen Wünschen und Sorgen widmet und dich nicht mit Plattitüden abspeist.

 

Wie ist der Ablauf meiner Nabelschnurbluteinlagerung bzw. -spende?

Nachdem du dich für eine passende Nabelschnurblutbank entschieden hast bekommst du die Vertragsunterlagen zugeschickt, die du nun ausfüllen und zurückschicken musst. Danach erhältst du einen Fragebogen für deinen Frauenarzt. Dieser überträgt die Blutuntersuchungsergebnisse aus dem Mutterpass und anschließend wird auch der Fragebogen zurückgeschickt. Die Kosten für diesen Arztbesuch übernimmt in der Regel übrigens die Nabelschnurblutbank. Ist die Blutprobe in Ordnung, erhältst du sechs bis acht Wochen vor der Geburt das Entnahmeset für den Entbindungstermin. Es darf erst zur Geburt und nur von medizinischem Personal (Hebamme, Arzt) geöffnet werden. Den Rest regelt die Klinik für dich und ein Kurierdienst bringt das Entnahmeset mit deinem wertvollen Nabelschnurblut in die ausgewählte Nabelschnurblutbank. Innerhalb von weiteren 48 Stunden wird dein entnommenes Nabelschnurblut getestet und aufbereitet. Schließlich wird es bei -195 C° eingefroren und so für die ferne Zukunft sicher eingelagert[3]. Der Ablauf der Nabelschnurbluteinlagerung bzw. -spende ist somit absolut schmerzlos – sie wird im Zuge der Abnabelung unkompliziert für dich durchgeführt.

 

Gibt es unterschiedliche Lagerungsmethoden deines Nabelschnurblutes?

Grundsätzlich wird dein Nabelschnurblut immer eingefroren, damit es über viele Jahrzehnte hinweg haltbar bleibt. Die Verarbeitungs- und Lagerungsmethoden können sich aber bei den Nabelschnurblutbanken unterscheiden. Einige reduzieren das Volumen deines Blutes bevor sie es einfrieren, während andere das Vollblut ohne eine entsprechende Verkleinerung in den Kühlraum geben. Letzteres ist zwar kostengünstiger, erhöht jedoch den Arbeitsaufwand beim Auftauen im Falle einer Verwendung[4]. Nach dem Auftauen müssen die Blutpräparate gut gewaschen werden, damit keine Spuren des Gefriermittels mehr darin zu finden sind – außerdem muss das Vollblut mithilfe einer gründlichen Waschung noch vom freigesetzten Hämoglobin befreit werden. Dein Nabelschnur­blut sollte immer von anderen medizinischen Proben bzw. Blutprodukten separat gelagert werden. Dadurch bleiben die Aufbewahrungsboxen möglichst ungeöffnet und Temperaturschwankungen können eher vermieden werden. Es gibt auch Nabelschnurblutbanken die „portioniert“ lagern. Dadurch möchten sie eine größere Sicherheit einräumen. Indem deine Nabelschnur an getrennten Orten gelagert wird, ist ein Kühlungsausfall keine totale Katastrophe.

 

Kann eine Spende später auch für das eigene Kind genutzt werden?

Jein. Wie hier beschrieben wird dein Kind statistisch gesehen eher keine Stammzellenspende benötigen und dementsprechend gesund aufwachsen. Bei einer Nabelschnurblutspende wird dein Blut im Gegensatz zur Nabelschnurbluteinlagerung in einer öffentlichen Registrierdatenbank eingetragen und kann bei Bedarf für andere Kinder und Erwachsene verwendet werden. Sollte dein Kind aus gesundheitlichen Gründen doch irgendwann selbst die Stammzellen benötigen, könntest du möglicherweise trotzdem auf deine eigene Spende zugreifen. Wenn noch nicht verbraucht, kann sie deinem Kind zugute kommen. Darauf hast du zwar keinen Rechtsanspruch, da aber nur rund 1-5 % der eingelagerten Spenden zum Einsatz kommen, ist die Wahrscheinlichkeit einer unverwendeten Spende relativ hoch.

 

Warum ist die Nabelschnurbluteinlagerung umstritten?

Vielleicht hast du in deinem Freundeskreis oder in den Medien schon einmal kritische Stimmen über Stammzellentransplantationen oder Nabelschnurbluteinlagerungen gelesen. Das liegt daran, dass es noch eine sehr junge Wissenschaft und die Datenlage noch recht unübersichtlich ist. Dennoch können mit der Stammzellenforschung heutzutage bereits knapp 70 Krankheiten gemildert und geheilt werden. Und die Forschung geht weiter. Für die Zukunft gibt es große Erwartungen an die Stammzellenforschung besonders hinsichtlich der nicht-genetischen Erkrankungen wie bspw. Alzheimer und multiple Sklerose.

Bei der privaten Einlagerung werden zwei Punkte kritisch betrachtet: Erstens fehlt es an Langzeitstudien wie lange die Stammzellen im gefrorenen Zustand tatsächlich keinen Qualitätsverlust erleiden – bis jetzt gelten 15 Jahre als definitiv gesichert. Zweitens wird der Nutzen von privaten Einlagerungen hinterfragt, da bei den bisherigen Krankheitsbildern – blutbildenden Erkrankungen und genetischen Stoffwechselerkrankungen –  fremde Stammzellen meistens besser geeignet sind als die eigenen Stammzellen. Das kann sich aber schnell ändern, sobald die regenerative Medizin besser erforscht ist und neue Krankheiten damit geheilt werden können[5].

 

Weitere Artikel rund um Nabelschnurblut & Stammzellen

 

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Weitere Ratgeber zur Schwangerschaft

 


  • [1] Babycenter 2018
  • [2] Deutsche-Stammzellenbank 2018
  • [3] Babycenter 2018
  • [4] Ebd.
  • [5] Ebd.

 

Links

 

Weiterführende Literatur

Giorgetti, Alessandra; Montserrat, Nuria; Aasen, Trond; Gonzalez, Federico; Rodríguez-Pizà, Ignacio; Vassena, Rita et al. (2009): Generation of induced pluripotent stem cells from human cord blood using OCT4 and SOX2. In: Cell stem cell 5 (4), S. 353–357.

Gluckman, Eliane; Ruggeri, Annalisa; Volt, Fernanda; Cunha, Renato; Boudjedir, Karim; Rocha, Vanderson (2011): Milestones in umbilical cord blood transplantation. In: British journal of haematology 154 (4), S. 441–447.

Gordijn, Bert (2000): Ethische Fragen zur Stammzellentransplantation aus Nabelschnurblut. In: Ethik in der Medizin 12 (1), S. 16–29.

Hauskeller, Christine (Hg.) (2002): Humane Stammzellen. Therapeutische Optionen, ökonomische Perspektiven, mediale Vermittlung. Tagung. Lengerich: Pabst Science Publ.

Müller, Werner (2013): Therapie mit Stammzellen. In: Biologie in unserer Zeit 43 (1), S. 40–45.

Schmidt, Mathias (2001): Stammzellen aus der Nabelschnur. Neue Wege der Gesundheitsvorsorge für Ihr Kind. 1. Aufl. (Gesundheit aktuell).

Troeger, C.; Surbek, D. V.; Holzgreve, W. (2005): Stammzellen aus Nabelschnurblut. In: Gynäkologe 38 (9), S. 829–837.


Wie kann ich mein Nabelschnurblut einlagern lassen - Eine Übersicht zum Ablauf

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