Was kostet eine Nabelschnurblut-Einlagerung in Deutschland?

Frau mit Fragezeichen
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Immer mehr bevorstehende Eltern möchten die Stammzellen des Nabelschnurblutes (Plazentarestblut) für ihr Kind privat einlagern, damit dieses an den Fortschritten der Wissenschaft teilhaben kann. Im Falle einer schweren Erkrankung oder einer bevorstehenden Transplantation kann es von den eigenen Stammzellen profitieren und den Heilungsprozess beschleunigen. Eine Frage drängt sich in diesem Zusammenhang deutlich auf: Was kostet eine Nabelschnurblut-Einlagerung in Deutschland?

An dieser Stelle ist ein ausführlicher Kostenvergleich besonders wichtig, da sich auf 18-50 Jahre gerechnet sehr große preisliche Unterschiede ergeben.

 

Welche Vertragsmodelle und „versteckte Kosten“ gibt es?

Wir haben für Deutschland zwei Anbieter miteinander verglichen: Vita 34 und die Deutsche Stammzellbank. Die beiden Vertragsmodelle unterscheiden sich in erster Linie in der Preisstruktur für den Zeitraum, für den die Stammzellen eingelagert werden sollen. Umso länger die Einlagerung gemacht wird, desto geringer werden im Schnitt die jährlichen Kosten. Doch gibt zwischen den beiten Anbietern erhebliche Unterschiede, da zwischen fixen Kosten (Kosten für die einmalige Einlagerung) und variablen Kosten (Jahresgebühr) unterschieden werden muss. Damit man in keine „Kostenfalle“ tappt, muss neben den Einlagerungskosten unbedingt auch die entsprechende Jahresgebühr eingerechnet werden. Nicht alles, was auf den ersten Blick günstig wirkt (z. B. eine Einlagerung unter 1 000 €) rechnet sich über einen Zeitraum von mehr als 10 Jahren. Zudem gibt es Abweichungen bei den Verlängerungsmodalitäten – bswp. umfassen bei einem Anbiter die Einlagerungskosten volle 18 Jahre ohne weitere Gebühren, während ein anderer mit dem zweiten Jahr eine Jahregebühr einhebt.

Aber, wie viel kostet das jetzt ungefähr?

Da Nabelschnurblut-Einlagerungen grundsätzlich langfristig gedacht sind, haben wir in einem Kostenvergleich die notwendigen Informationen zusammengetragen und für eine 18-Jahres-, 25-Jahres- und 50-Jahres-Einlagerung hochgerechnet. So zeigen sich beispielsweise große preisliche Unterschiede zwischen Vita 34 und der Deutschen Stammzellenbank. Obwohl die Einlagerung bei Vita 34 auf den ersten Blick mit 990 € sehr günstig aussieht, kostet diese nach 18 Jahre hochgerechnet inklusive Jahresgebühren (rechnerisches Beispiel) rund 3150 €. Bei der Deutschen Stammzellbank würde der gleiche Zeitraum nur 1840 € kosten. Eine Einlagerung der Stammzellen deines Nabelschnurblutes kostet auf 50 Jahre gesehen zwischen 3300 € – 6900 €. Es ergeben sich somit große preisliche Unterschiede und ein Kostenvergleich kann böse Überraschungen verhindern.

Gibt es qualitative Unterschiede?

Während man am Obststand oder beim Gebrauchtwagenhändler immer einen engen Zusammenhang zwischen Preis und Qualität vermuten würde, sind qualitative Unterschiede bei der Nabelschnurblut-Einlagerung im Grunde vernachlässigbar. Die Abwicklung der Einlagerung und die Konservierung der Stammzellen sind strikt standardisiert und im Wesentlichen gesetzlich vorgegeben. Zwischen Vita 34 und der Deutschen Stammzellenbank gibt es beispielsweise bei der Lagerung keine Unterschiede, da diese von beiden Anbietern in den gleichen Tanks durchgeführt wird. Qualitative Unterschiede lassen sich dementsprechend eher im Service (z. B. bei der Qualität der Informationsbroschüren, der telefonischen Kundenbetreuung, in der Schnelligkeit der Transportwege und der Anzahl an Vertragskliniken) festmachen.

Welche Fragen kommen noch auf?

Neben den Kosten drängen sich weitere Fragen zur Nabelschnurblut-Einlagerung besonders auf:

  1. Wofür können die Stammzellen meines Nabelschnurblutes eigentlich verwendet werden?
    Die Einlagerung kann beispielsweise deinem Kind bei schweren Erkrankungen wie Diabetes, Multipler Sklerose und sogar bei lebenswichtigen Transplantationen helfen.
    Weiter zum Thema Nabelschnurblut-Verwendung
  2. Soll ich meine Stammzellen spenden oder einlagern?
    Die Stammzellenentnahme hat sich in den letzten Jahrzehnten sehr stark entwickelt – es gibt öffentliche wie private Nabelschnurblutbanken.
    Weiter zum Thema Stammzell-Einlagerung
  3. Soll ich das Nabelschnurblut lieber auspulsieren lassen?
    In den letzten Jahren wird vermehrt über die Länge der Abnabelungszeiten diskutiert und über die positiven Aspekte des „Auspulsieren lassens“. Doch nicht selten werden in diesem Zusammenhang wissenschaftliche Studien überbewertet und Pro- und Contra zur Glaubensfrage hochstilisiert.
    Weiter zum Thema Nabelschnurblut-Auspulsieren

 

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Weiterführende Literatur über Stammzellen

Dohmen, D. (2004): Neonatale Stammzellen. Rechtliche Grundlagen und Probleme. In: Bundesgesundheitsblatt, Gesundheitsforschung, Gesundheitsschutz 47 (1), S. 21–30.

Hauskeller, Christine (Hg.) (2002): Humane Stammzellen. Therapeutische Optionen, ökonomische Perspektiven, mediale Vermittlung. Tagung. Lengerich: Pabst Science Publ.

Manzei, Alexandra (2005): Stammzellen aus Nabelschnurblut. Ethische und gesellschaftliche Aspekte ; eine Veröffentlichung des Institutes Mensch, Ethik und Wissenschaft (IMEW). 1. Aufl. (IMEW Expertise, 4). Berlin: Institut Mensch Ethik und Wissenschaft (IMEW).

Müller, Werner (2013): Therapie mit Stammzellen. In: Biologie in unserer Zeit 43 (1), S. 40–45.

Schmidt, Mathias (2001): Stammzellen aus der Nabelschnur. Neue Wege der Gesundheitsvorsorge für Ihr Kind. 1. Aufl. (Gesundheit aktuell).

Stark, Carsten (2014): Kontingenz und Ambivalenz. Der bioethische Diskurs zur Stammzellenforschung. Wiesbaden: Springer VS.


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