Stammzellen aus Nabelschnurblut: Neue Erkenntnisse aus den wissenschaftlichen Laboratorien

Labor mit Reagenzgläsern
Labor mit Reagenzgläsern © mmphoto - fotolia.com

Das Stammzellen ein vielfältiges medizinisches Forschungsgebiet sind und schwere Krankheiten lindern können, wurde hier schon ausführlich beschrieben. Mithilfe von Heranzüchtungen können heutzutage Herzklappen und Luftröhren sowie Haut-, Knochen- und Knorpelersatz als Bioimplantate verpflanzt werden. Damit werden eines Tages Transplantationen von Fremdstoffen (Titan, Keramik etc.) der Vergangenheit angehören. Der Ablauf einer Spende–  bzw. Einlagerung von Stammzellen aus Nabelschurblut ist übrigens schmerzfrei und unkompliziert.

 

Das Verstehen der molekularen Prozesse als Meilenstein der modernen Medizin

Einen durchschlagenden Erfolg konnte dieses Jahr ein Forscherteam aus dem Universitätsspital in Basel verbuchen. Sie entwickelten eine neue Methode und züchteten aus Stammzellen stabile Gelenkknorpeln heran. Dadurch könnten schon in naher Zukunft Schäden am Skelett mithilfe natürlicher Stammzellen beseitigt werden. Ein besonderer Meilenstein sind die Erkenntnisse über die molekularen Prozesse während der Knorpelbildung gewesen. Denn umso besser es der Forschung gelingt die natürlichen Prozesse zu imitieren, desto hochwertiger können die medizinischen Lösungen sein.

 

Aus Stammzellen wird künstliche Haut gezüchtet

Für großes Aufsehen sorgen auch die rasanten Fortschritte der Gewebetransplantationen. In speziellen Laboratorien können seit einigen Jahren Gewebe und Organe aus Stammzellen herangezüchtet werden. Die Nachbildungsmöglichkeiten der Haut waren sehr lange umstritten, da dieses Gewebe einen besonders komplizierten Aufbau hat. Sie besteht aus mehreren Hautschichten (Oberhaut, Lederhaut, Unterhaut) und beinhaltet Haarfollikel, Schweißdrüsen, Nerven und Blutgefäße. Sie hat eine hohe Reaktionsfreudigkeit auf Temperaturschwankungen und gilt als das Schutzschild der Menschen gegenüber Bakterien, Pilzen und Viren. Ihre dicht gebündelten Nervenzellen senden lebensnotwendige Signale an das Gehirn – so werden wir bspw. vor potentiellen Verletzungen gewarnt. Bis vor kurzem war es undenkbar dieses komplexe Gebilde nachzubauen und Verbrennungsopfer konnten nur auf ihre eigene Haut und unzufriedenstellende Transplantationsverfahren hoffen. Die Möglichkeiten der Ärzte sind bis jetzt immer sehr begrenzt gewesen und die Ergebnisse zumeist nur ein notdürftiges Flickwerk. In diesem Zusammenhang gilt die Stammzellenforschung als große Chance und die Forschungsbestrebungen arbeiten auf Hochdruck an der Heranzüchtung von vollfunktionsfähiger Ersatzhaut. Beispielsweise konnte ein Forscherteam in Tokio aus Zahnfleischzellen (von Mäusen) einen neuen Gewebetyp, der sogar Haarfollikel enthält, züchten. Diese transplantierten Hautstücke brachten Haare hervor, die sich wie natürliches Fell aufstellen konnten. Es ist also möglicherweise nur mehr eine Frage der Zeit, bis Verbrennungsopfern in einem viel hochwertigeren Umfang als bisher geholfen werden kann. Experten sehen auch eine Reihe an Anwendungsmöglichkeiten für die Kosmetikindustrie. Einerseits könnte die künstliche Haut die oft kritisierten Tierversuche endgültig überflüssig machen. Darüber hinaus kann die Haarfollikeldichte im künstlichen Gewebe verändert werden, was eine wirksame Methode gegen starken Haarausfall sein könnte.

 

Stammzellen aus Nabelschnurblut sollen gespendet oder eingelagert werden

Es gibt viele Gründe warum die Spende oder Einlagerung deines Nabelschnurblutes Sinn macht – hier gibt’s 8 gute Gründe. Darum sollte man sich schon im Vorhinein darüber informieren welche Stammzellenbank geeignet ist. Eine Liste der privaten Anbieter findest du hier und die Übersicht der öffentlichen Anbieter hier. Für die Städte Berlin, Müchen, Hamburg, Köln, Leipzig und Erlangen haben wir die möglichen Kooperationskliniken für eine private Einlagerung bei Vita 34, Eticur oder der DSB recherchiert.

 

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Weiterführende Literatur

Bhatia, Sujata K. (2012): Engineering biomaterials for regenerative medicine. Novel technologies for clinical applications. New York: Springer.

Jungebluth, P.; Haag, J. C.; Macchiarini, P. (2015): Regenerative Medizin. In: Z Herz- Thorax- Gefäßchir 29 (3), S. 213–220.

Kuhbier, J. W.; Weyand, B.; Sorg, H.; Radtke, C.; Vogt, P. M.; Reimers, K. (2010): Stammzellen aus dem Fettgewebe : Eine neue Ressource für die regenerative Medizin? In: Der Chirurg; Zeitschrift fur alle Gebiete der operativen Medizen 81 (9), S. 826–832.

Nehrer, Stefan (2008): Regenerative Medizin – Wozu? In: Sports Orthopaedics and Traumatology Sport-Orthopädie – Sport-Traumatologie 24 (2), S. 61.

Orlando, Giuseppe (Hg.) (2014): Regenerative medicine applications in organ transplantation. 1. ed. Amsterdam: Acad. Press/Elsevier.

Riedel, F.; Goessler, U. R.; Stern-Straeter, J.; Riedel, K.; Hörmann, K. (2008): Regenerative Medizin. Chancen für die rekonstruktive Kopf-Hals-Chirurgie. In: HNO 56 (3), S. 262–274.

Sakurada, Kazuhiro; McDonald, Fiona M.; Shimada, Fumiki (2008): Regenerative Medizin und stammzellbasierte Wirkstoffentwicklung. In: Angew. Chem. 120 (31), S. 5802–5823.

Tiedemann, G.; Wagner, A. (2011): Regenerative Medizin: Potenziale eines ressourcenorientierten Behandlungsprinzips für (Verschleiß-)Krankheiten im Alter. In: B & G 27 (02), S. 70–73.


Stammzellen aus Nabelschnurblut Neue Erkenntnisse aus den wissenschaftlichen Laboratorien

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