Zahnmedizin im Umbruch? Zahnimplantate aus Stammzellen

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Irgendwann ist es in jedem Menschenleben soweit und die Zähne werden porös, instabil und der Kariesbefall schreitet fort. Im schlimmsten Fall führt dieser schleichende Verfall im Mundraum zu Zahnverlust und teure Sanierungsmaßnahmen müssen durchgeführt werden. Die Stammzellforschung konnte mit der Erzeugung von Bioimplantaten – beispielsweise neue Herzklappen, Luftröhren, Organe – schon weite Teile der Medizin revolutionieren. Nun stellt sie auch der Zahn- und Kiefermedizin neue Behandlungsmöglichkeiten in Aussicht: Können Zähne dank Stammzellen einfach nachwachsen?

 

 

Die Schwächen der Zahnprothesen

Es gibt mannigfache Arten des Zahnersatzes und im Grunde sind alle Lösungen verhältnismäßig teuer und unzureichend[1]. Selbstverständlich bietet die moderne Zahn- und Kiefermedizin deutlich bessere Lösungen als noch die Etrusker, die ihren Zahnersatz aus Elfenbein oder Tierknochen und Drähten zu einer „ästhetischen“ Rekonstruktion bildeten[2]. Die ersten Porzellangebisse wurden Ende des 18. Jahrhunderts erzeugt und eingesetzt. Heutzutage wird zwischen festsitzenden und herausnehmbaren Zahnersatz unterschieden. Dahingehend werden diverse Materialarten und Funktionen angeboten: Kronen, Brücken und Teil- bzw. Totalprothesen aus beispielsweise Kunststoff, Chrom, Keramik oder Titan[3][4]. Doch selbst die schönste Prothese wirkt irgendwie unnatürlich und gekünstelt, selbst wenn die zeitgemäßen Lösungen den verlorenen Zähnen optisch immer ähnlicher werden. Die große Schwäche der Zahnprotesen liegt jedoch in der Abnahme der Stabilität (Bissfestigkeit) und dem psychologisch unsicheren Gefühl, das viele Gebissträger begleitet. Protesen verursachen Klappergeräusche, Ängste die Protese zu verlieren und auch ästhetische Bedenken[5][6][7].

 

Die Zukunft der Zahn- und Kiefermedizin basiert auf Stammzellen

Die Stammzellforschung kann mittlerweile problemlos Herzklappen aus Stammzellen heranzüchten. Die Vorteile einer Transplantation der Bioimplantate besteht darin, dass der Körper geringere Abwehrreaktionen zeigt und die Nebenwirkungen schwächer sind. Inspiration für ein „Nachwachsen“ der Zähne bietet die Tierwelt. Haien und Alligatoren wachsen über die Lebensspanne hinweg mehrmals die Zähne nach. Dahingehend sind Menschen in diesem Punkt klar im Nachteil, sie haben nur einen einzigen Zahnwechsel und dieser ist spätestens mit dem 12. Lebensjahr abgeschlossen. Der Stammzellforschung ist in einem Labor mit Mäusen ein bemerkenswerter Durchbruch gelungen. Dafür wurden die Stammzellen in Zahnkeime verändert und jungen Mäusen eingepflanzt, nach rund 50 Tagen war der Zahn ausgewachsen und voll funktionsfähig. Leider gibt es bei dieser Methode noch einen Makel: nur rund die Hälfte der eingepflanzten Zellen entwickelte sich zu Zähnen und sie unterschieden sich optisch deutlich von den Nachbarzähnen. Doch ein erster Schritt wurde dadurch getan: Zähne können durch Stammzellen nachwachsen[8].

Ein interessanter Ansatz könnte auch die Kombination von Stammzellen und dreidimensionalen Druckern (3D-Drucktechnologie) sein. Dafür wird das Knochenmaterial mit Stammzellen aufgebaut und mit 3-D-Druckern individuelle stammzellbasierte Bioimplantate erzeugt.

 

Fazit: Gibt es eine Alternative zum Zähneputzen?

Nein, die beste Methode ist weiterhin der Erhalt der natürlich gegebenen Zahnreihen. Das bedeutet gründliches Putzen und ein gemäßigter Lebensstil. Experten sind sich einig, dass Stammzellen in den nächsten Jahrzehnten die Zahn- und Kiefermedizin revolutionieren könnten. Mithilfe von Stammzellen können Kieferknochen aufgebaut und stabilisiert werden, Bioimplantate aus körpereigenen Stammzellen herangezüchtet und in ferner Zukunft sogar neue Zähne ganz natürlich nachwachsen. Vieles davon ist noch Zukunftsmusik, jedoch bieten einige Kiefer- und Gesichtschirurgen in Deutschland schon heutzutage Lösungen basierend auf den Techniken der Stammzelltherapie an. Stammzellen können gespendet oder privat für medizinische Zwecke eingelagert werden. Einen Kostenvergleich der Anbieter Vita 34 und der Deutschen Stammzellenbank haben wir hier für dich erstellt.

 

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Literaturverzeichnis

Daum, Helmut; Abt, Jürgen (2014): Umgestaltung eines Zahnersatzes nach osteopathischen Therapieprinzipien. In: Osteopathische Medizin 15 (3), S. 15–20. DOI: 10.1016/S1615-9071(14)60084-8.

hc (2013): Zahnersatz: höherer Laborkostenanteil. In: DFZ 57 (10), S. 22. DOI: 10.1007/s12614-013-5285-5.

Issing, Peter R. (2008): Die Zahnprothese passt nicht mehr. In: MMW – Fortschritte der Medizin 150 (45), S. 5. DOI: 10.1007/BF03365647.

Koch, Felix P. (2017): An Implantaten verankerter, herausnehmbarer Zahnersatz. In: DFZ 61 (9), S. 72. DOI: 10.1007/s12614-017-6972-4.

Schell, Werner (2009): Verlust der Zahnprothese – wer zahlt? In: Heilberufe 61 (6), S. 52–53. DOI: 10.1007/s0058-009-0655-9.

Schmitter, M. (2013): Bruxismus und Zahnersatz. In: DFZ 57 (1), S. 47–53. DOI: 10.1007/s12614-012-1489-3.

Yamada, Yoichi; Ueda, Minoru; Naiki, Takahito; Nagasaka, Tetsuro (2004): Tissue-engineered injectable bone regeneration for osseointegrated dental implants. In: Clinical oral implants research 15 (5), S. 589–597. DOI: 10.1111/j.1600-0501.2004.01038.x.

Zeitpunkt der Werkabnahme einer Zahnprothese durch den Zahnarzt (2005). In: MedR 23 (10), S. 604–606.

 

[1] Daum und Abt 2014.

[2] Hc 2013.

[3] Issing 2008.

[4] Zeitpunkt der Werkabnahme einer Zahnprothese durch den Zahnarzt 2005.

[5] Schmitter 2013.

[6] Schell 2009.

[7] Koch 2017.

[8] Yamada et al. 2004.

 


Zahnmedizin im Umbruch – Zahnimplantate aus Stammzellen.

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