Stammzellen gegen Schwerhörigkeit – Hörverlust

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Der moderne Lebensstil ist stark vom Sehsinn dominiert. Wir blicken hundertmal am Tag auf das Smartphone, arbeiten in Großraumbüros und in der Freizeit wählen viele von uns eine Lieblingsserie aus. Ein Leben ohne funktionierenden Sehsinn scheint unmöglich zu sein, doch eines wird dabei oft vergessen, nämlich wie wichtig unsere Ohren sind. Von Schwerhörigkeit sind mehr Menschen betroffen, als man es auf den ersten Blick vermuten würde und die daraus folgende Taubheit ist folgenschwer[1]. Aus diesem Grund entwickelt die Stammzellforschung neue Therapiemöglichkeiten, um dem Leben der Betroffenen wieder mehr Klänge und Geräusche zu schenken.

 

 

Wenn das Hörvermögen nachlässt

Der Hörverlust ist so individuell wie die Persönlichkeit eines jeden Menschen[2]. Während bei einigen nur manche Frequenzen fehlen, die das Hörverständnis irritieren, können andere nur mehr ihr eigenes Tinnitusrauschen hören und sind von der Außenwelt „hörtechnisch“ abgeschnitten. In Deutschland sind rund 16 % der über 18-jährigen an diversen Formen der Schwerhörigkeit betroffen[3]. Mit zunehmenden Alter nimmt die Wahrscheinlichkeit des Hörverlustes naturgemäß zu. Schwachstellen dafür kann es im komplexen Hörsystem viele geben – Störungen im Mittelohr, im Gehörgang, in der Hörschnecke oder ein Verlust der Hörzellen. Auch die Ursachen sind mannigfach, von Fehlbildungen der Ohrmuschel bzw. des Gehörganges bis hin zu Entzündungen im Mittelohr und Verletzungen am Trommelfell. Manche dieser Ursachen sind mit operativen oder medikamentösen Behandlungen behebbar. Am weitesten verbreitet ist die sogenannte Schallempfindungsschwerhörigkeit, die nun speziell von der Stammzellforschung untersucht wird.

 

Problemfeld Schallempfindungsschwerhörigkeit

Die Schallempfindungsschwerhörigkeit ist nicht nur ein überaus langes Wort, sondern wird im Laufe eines langen Lebens immer wahrscheinlicher. Der natürliche Alterungsprozess und diverse Krankheiten (Menieresche Krankheit, Tuberkulose, Krebs) können die Weiterleitung des Schalls im Innenohr empfindlich stören. Leider gelten solche Schäden im Innenohr als irreversible und können daher weder operativ noch medizinisch behoben werden. In der Regel wird der Funktionsverlust durch technische Implantate (Hörgeräte) ausgeglichen[4][5]. Aufgrund des modernen Lebensstils (laute Clubs, Verwendung von Kopfhörern und das viele Telefonieren) werden Prognosen zufolge in Zukunft immer mehr Menschen eine Schwerhörigkeit entwickeln[6][7]. Aus diesem Grund entwickelt die Stammzellforschung zurzeit intensiv neue Methoden zur Bekämpfung der Schallempfindungsschwerhörigkeit[8].

 

Wie Stammzellen neue Geräusche und Klänge schenken können

Stammzellforschern ist bei Mäusen gelungen, vorhandene Stammzellen im Innenohr in Haarzellen zu verwandeln. Die vormals tauben Mäuse konnten daraufhin in einem begrenztem Rahmen wieder Geräusche wahrnehmen. Dafür musste ein spezieller Wirkstoff in die Innenohrflüssigkeit transplantiert werden, dieser führte zu einer deutlichen Zunahme der Haarsinneszellen. Die Hörsignale konnten anschließend von den Versuchstieren besser zugeordnet werden. Insbesondere die Kombination aus Hörgeräten und Stammzelltransplantationen könnte sich als sehr nützlich erweisen. Damit Hörgeräte ihren Nützen erfüllen können brauchen sie vorhandene Haarsinneszellen im Innenohr, umso besser diese durch Stammzellen verstärkt werden, desto besser wäre das Hörerlebnis[9].

 

Stammzellen können einfach gespendet oder private eingelagert werden

Die Stammzellforschung arbeitet intensiv an der Bekämpfung von Zivilisationskrankheiten (beispielsweise Diabetes, Krebs) und die Regenerative Medizin kann mittlerweile schon rund 70 Krankheiten eindämmen. Besonders für die Reaktivierung des Immunsystems und die Blutbildung – beispielsweise nach einer schweren Leukämieerkrankung – können Stammzellen einen wertvollen Beitrag leisten. Die Nabelschnur enthält eine Vielzahl an frischen Stammzellen, die einfach und schmerzfrei gespendet oder privat eingelagert werden können. Bei einer Einlagerung empfiehlt sich ein Preis- und Leistungsvergleich, da die Anbieter in Deutschland sich preislich deutlich unterscheiden.

 

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Literaturverzeichnis

Arndt, S.; Laszig, R.; Aschendorff, A.; Hassepass, F.; Beck, R.; Wesarg, T. (2017): Cochleaimplantatversorgung bei einseitiger Taubheit oder asymmetrischem Hörverlust. In: HNO 65 (7), S. 586–598. DOI: 10.1007/s00106-016-0294-8.

Bootz, Friedrich (2012): Kann hier ein Kochleaimplantat helfen? In: MMW – Fortschritte der Medizin 154 (18), S. 34. DOI: 10.1007/s15006-012-1264-z.

Diabetes beschleunigt Hörverlust : Doppeltes Risiko (2011). In: MMW – Fortschritte der Medizin 153 (29-31), S. 19.

Gablenz, P. von; Holube, I. (2016): Hörverlust und Sprachverstehen im Alter. In: Sprache Stimme Gehör 40 (03), S. 114–119. DOI: 10.1055/s-0042-108250.

Hörverlust – Erhöhtes Sturzrisiko bei Hörverlust im Alter (2012). In: Sprache Stimme Gehör 36 (03), S. 100.

Hörverlust – Experten fordern Maßnahmen (2015). In: Sprache Stimme Gehör 39 (01), S. 9.

Hörverlust nach Popkonzert (2013). In: MMW – Fortschritte der Medizin 155 (1), S. 1.

Müller, Wenzel (Hg.) (2002): Besser hören. Alles über Schwerhörigkeit ; Leben mit dem Hörverlust ; Hörgeräte: Typen und Preise. Verein für Konsumenteninformation (Erlebnis Gesundheit). Stuttgart: Hirzel.

Schaaf, H.; Hesse, G. (2011): Schwindelattacken mit schwankendem Hörverlust. Differenzialdiagnose: M. Menière – Migräne – psychogener Schwindel. In: HNO 59 (11), S. 1118–1124. DOI: 10.1007/s00106-011-2312-1.

 

[1] Hörverlust – Erhöhtes Sturzrisiko bei Hörverlust im Alter 2012.

[2] Müller 2002.

[3] Hörverlust – Experten fordern Maßnahmen 2015.

[4] Schaaf und Hesse 2011.

[5] Gablenz und Holube 2016.

[6] Hörverlust nach Popkonzert 2013.

[7] Diabetes beschleunigt Hörverlust : Doppeltes Risiko 2011.

[8] Arndt et al. 2017.

[9] Bootz 2012.

 


 

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