Ist die Einlagerung von Stammzellen bei einer Frühgeburt möglich?

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Die Einlagerung von Stammzellen aus Nabelschnurblut ist in ihrem Ablauf schmerzlos und unkompliziert. Sie ist auch bei Zwillings- oder Mehrlingsgeburten problemlos möglich. Vor einigen Tagen erreichte uns eine Anfrage, ob eine Einlagerung auch bei einer Frühgeburt möglich ist?

 

Wann spricht man von einem „Frühchen“?

Eine normale Schwangerschaft dauert 40 Wochen, das entspricht rund 280 Tage nach der letzten Regelblutung. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) verläuft bei 9 von 10 Babys die Schwangerschaft „normal“. Bei einem „Frühchen“ beginnt die Geburt schon vor der 37. Schwangerschaftswoche, deswegen wiegen sie in der Regel weniger als 2500 Gramm. Somit ist eine Frühgeburt zwar ungewöhnlich, aber statistisch gesehen keineswegs unbedeutend, denn es werden in Deutschland jährlich rund 63 000 Kinder vor der 37. SSW geboren. Sollte ein Kind sogar vor der 30. SSW das Licht der Welt erblicken, dann nennt man es ein „Frühstgeborenes“. Übrigens geben neue Studien an, dass die Zahl der Frühgeborenen aufgrund unserer Lebensgewohnheiten bzw. ökologischen Rahmenbedingungen tendenziell steigen wird.

 

Öffentliche Spende versus private Einlagerung bei einer Frühgeburt

Die Kriterien für eine Nabelschnurblutspende bei einer öffentlichen Stammzellbank sind deutlich strenger als bei den privaten Anbietern. Nachdem diese von Spendengeldern finanziert werden, kann eine Annahme nur im Falle einer Normalgeburt erfolgen. Aus diesem Grund werden Frühgeburten ebenso konsequent abgelehnt, wie beispielsweise Zwillings- oder Mehrlingsgeburten. Zudem ist es nicht selten, dass Zwillings- oder Mehrgeburten prinzipiell früher auf die Welt kommen und/oder ein geringeres Geburtsgewicht aufweisen. Die Vorsicht der öffentlichen Stammzellbank ist damit begründet, dass Nabelschnurblut bei Frühgeburten eine geringere Menge an Stammzellen beinhalten könnte. Bei einer privaten Einlagerung der Stammzellen für dein Kind wird das Nabelschnurblut in der Regel auch bei einer Frühgeburt angenommen. Selbstverständlich wird das Blut nach der Abnahme kontrolliert und auf eine medizinische Wiederverwertbarkeit untersucht. Sollte es den erforderlichen Kriterien nicht entsprechen, so kann es jederzeit noch abgewiesen werden. Im Falle einer Ablehnung werden die Vertragsklauseln für eine Kündigung schlagend, diese haben wir für dich hier zusammengefasst. Sollte das Blut aus medizinischen Gründen abgelehnt werden, so gilt der Vertrag automatisch als beendet. Bei der Deutschen Stammzellenbank kannst du übrigens auch jederzeit bis zu 4 Wochen nach der Geburt den Vertrag auf Wunsch auflösen. Im Falle einer Kündigung auf Wunsch, musst du nur einen Pauschalbetrag von 195€ für die Entnahme bezahlen. Manche Eltern möchten bei einer Frühgeburt das Nabelschnurblut lieber Auspulsieren lassen, damit das Frühgeborene mehr Blut für den Start ins Leben mitbekommt – diese Ansicht ist jedoch teilweise strittig.

 

Fazit

Jedes zehnte Kind in Deutschland ist ein „Frühchen“ und Frühgeburten verlaufen in den meisten Fällen komplikationsfrei. Öffentliche Nabelschnurblutbanken nehmen keine Stammzellen-Spenden bei einer Frühgeburt an, während bei einer privaten Einlagerung die Weiterverwendung prinzipiell möglich ist. Sollte das Nabelschnurblut den medizinischen Kriterien nicht entsprechen, so lehnt die private Nabelschnurblutbank das Blut ab und es entstehen für dich keine weiteren Kosten.

 

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Literaturverzeichnis

Executive summary (2015). URL: mehr als 15 Millionen Frühgeborene – Tendenz steigexec_summary.pdf, Stand: 29.12.2018.

Rauchfuß, M. (2008): Psychosoziale Aspekte von Mehrlingsschwangerschaften und Mehrlingsfamilien. In: Gynäkologe 41 (10), S. 808–816. DOI: 10.1007/s00129-008-2204-y.

Spiegel Online (2011): Mehr Glück im Doppelpack. Zunahme von Zwillingsgeburten. Hg. v. Spiegel Online. URL: http://www.spiegel.de/gesundheit/schwangerschaft/zunahme-von-zwillingsgeburten-mehr-glueck-im-doppelpack-a-839164.html.

Steidinger, Jürgen; Uthicke, Klaus J. (1995): Frühgeborene. Von Babys, die nicht warten können. Reinbek: Rowohlt Taschenbuch Verl.

 


 

Stammzellen aus Nabelschnurblut bei einer Frühgeburt einlagern

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