Stammzelltransplantation: Funktionsweise, Gewebemerkmale und Ablauf

Die Stammzellen deines Nabelschnurblutes können heutzutage schon über 70 schwerwiegende Erkrankungen lindern. In den wissenschaftlichen Laboratorien wird intensiv an der Heranzüchtung von Organ-, Knorpel- und Gewebeteilen geforscht und es wurden schon die ersteren Herzklappen bei betroffenen Patienten verpflanzt. Der Ablauf einer Spende oder Einlagerung ist einfach und unkompliziert und es gibt dahingehend sehr positive Erfahrungsberichte. Aber wie läuft eine Stammzelltransplantation konkret ab und welche Vor- und Nachbehandlungen, Nebenwirkungen und Kosten gibt es?

 

Wie funktioniert eine Stammzellentransplantation?

Es gibt unterschiedliche Arten von Stammzellen, sie können aus Knochenmark, Nabelschnurblut oder Fettgewebe gewonnen werden[1]. Besonders die Weiterverwendung von Stammzellen aus Nabelschnurblut ist einfach und unkompliziert. Die Stammzellen deines Nabelschnurblutes in Form einer öffentlichen Spende oder bei privaten Anbietern eingelagert werden. Die Stammzelltransplantation ist eine wichtige Behandlungsmethode bei schwerwiegenden Erkrankungen des blutbildenden Systems. Diese Erkrankungen können in Form von Leukämie oder Anämie lebensgefährliche Folgen haben[2][3]. Aber auch bei angeborenen Immundefekten und vielen Stoffwechselerkrankungen konnten Stammzellen aus Nabelschnurblut den Betroffenen schon das Leben retten. Die Verwendung von embryonalen oder adulten Stammzellen bringen bei der Behandlung gewisse Vor- und Nachteile [4][5][6]. Auch die Frage, ob die eigenen Stammzellen (autologe Stammzellentransplantation) oder fremde Stammzellen (allogene Stammzellentransplantation) verwendet werden sollen, hängt von der konkreten Erkrankung ab[7].

 

Entscheidend für den Erfolg sind die Gewebemerkmale

Wenn die Stammzelleransplantation mit körperfremden Stammzellen (allogen) durchgeführt wird, dann müssen die Gewebemerkmale so gut wie möglich übereinstimmen (HLA: Humane-Leukozyten-Antigene)[8]. In diesem Zusammenhang können Spenden innerhalb der Kernfamilie (beispielsweise von Geschwistern) diese Merkmale sehr gut erfüllen, auch nahe Verwandte haben in den meisten Fällen ein ähnliches HLA-Verhältnis. In diesem Zusammenhang kann eine private Einlagerung sehr sinnvoll sein, da die Stammzellen für das Geschwisterchen optimale Gewebemerkmale liefern können. In der Praxis haben jedoch die wenigsten Menschen einen engen Verwandten, der seine Stammzellen eingelagert hat, sie müssen nach einem geeigneten Fremdspender suchen. Inwieweit eine solche Suche erfolgreich ist hängt wieder von den spezifischen Gewebemerkmalen ab, im Durchschnitt beträgt die Wahrscheinlichkeit einen passenden Spender zu finden nur 1:500 000. Anhand dieser sehr geringen Wahrscheinlichkeit erkennt man auf einen Blick die Wichtigkeit, warum die wertvollen Stammzellen deines Nabelschnurblut zumindest gespendet (bzw. eingelagert) werden soll.

 

Ablauf einer Stammzellentransplantation

Bei der Stammzelltransplantation[9] werden die gespendeten Stammzellen nach einer vorangegangenen Therapie (beispielsweise einer Chemotherapie) übertragen. Die Transplantation unterstützt das blutbildende System und stabilisiert dabei das Immunsystem. Dafür muss der Patient im Vorhinein erst an die fremden Stammzellen vorbereitet werden (Konditionierungstherapie), weil der Körper die neuen Stammzellen in einer ersten Reaktion ansonsten abstoßen würde[10]. Dafür muss auch das Immunsystem für diesen Zeitraum unterdrückt werden, das geschieht mittels einer medikamentösen Behandlung oder einer Ganzkörperbestrahlung. An dieser Stelle zeigt sich, dass viele Vor- und Nachbehandlung bei einer Stammzellentransplantation notwendig sind und auch erhebliche Komplikationen und Nebenwirkungen auftreten können.

Nachdem die Stammzelltransplantation nur bei sehr schwerwiegenden Erkrankungen durchgeführt wird, müssen die Chancen und Risiken immer sorgfältig abgewogen werden, langfristig konnte diese Behandlungsmethode aber schon vielen Betroffenen helfen und Leben retten. Medizinische betrachtet ist die Stammzelltransplantion ein entscheidender Schritt für die Bekämpfung schwerer Erkrankungen.

 

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Literaturverzeichnis

Berger, Martin (2007): Embryonenschutz und Klonen beim Menschen – neuartige Therapiekonzepte zwischen Ethik und Recht. Ansätze zur Entwicklung eines neuen Regelungsmodells für die Bundesrepublik Deutschland ; unter besonderer Berücksichtigung der Rechtslagen in Großbritannien und der Schweiz sowie internationaler Regelungen und Vereinbarungen. Teilw. zugl.: Göttingen, Univ., Diss., 2005 (Recht & Medizin, 81). Frankfurt am Main: Lang.

Burdach, S. (2015): Differenzialdiagnose der Anämie. In: Monatsschr Kinderheilkd 163 (1), S. 18–27. DOI: 10.1007/s00112-014-3187-5.

Einsele, H.; Kanz, L. (1999): Allogene Stammzelltransplantation. In: Der Internist 40 (12), S. 1249–1256. DOI: 10.1007/s001080050463.

Gordijn, Bert (2000): Ethische Fragen zur Stammzellentransplantation aus Nabelschnurblut. In: Ethik in der Medizin 12 (1), S. 16–29. DOI: 10.1007/s004810050092.

Hertenstein, B.; Ganser, A. (2004): Knochenmarktransplantation. Indikationen, Chancen und Perspektiven. In: Der Internist 45 (11), S. 1261–1267. DOI: 10.1007/s00108-004-1287-3.

Hoffmann, Martin; Henrich, Dirk; Hackenberg, Ulrich; Mewes, Dirk; Hellstern, Peter; Uppenkamp, Michael (2001): Komplikationen nach Hochdosistherapie und autologer Stammzelltransplantation Retrospektive Untersuchung an einem nicht selektionierten Patientenkollektiv. In: Med. Klin. 96 (4), S. 196–201. DOI: 10.1007/PL00002194.

jn (2013): Kommt Hilfe aus dem Knochenmark? In: CME 10 (7-8), S. 8. DOI: 10.1007/s11298-013-0796-6.

Kasper, C.; Sayer, H. G.; Höffken, K. (2001): Potenzial adulter Stammzellen für Transplantationskonzepte. In: Der Onkologe 7 (12), S. 1319–1323. DOI: 10.1007/s007610170006.

Kienast, J.; Grote, A.; Berdel, W. E. (2002): Transplantation von Knochenmark und peripheren Blutstammzellen. In: Z Herz- Thorax- Gefäßchir 16 (0), S. 1. DOI: 10.1007/s00398-002-1105-y.

Kröger, Nicolaus; Zander, Axel R.; Ayuk, Francis (2004): Allogene Stammzelltherapie. Grundlagen, Indikationen und Perspektiven. 1. Aufl. (UNI-MED science). Bremen: UNI-MED.

Krüssel, J. S.; Hess, A. P.; Bielfeld, P. (2008): Häufigkeit und Entwicklungsformen von Mehrlingsschwangerschaften. In: Gynäkologe 41 (10), S. 763–771. DOI: 10.1007/s00129-008-2199-4.

Link, Hans-Jürgen (2013): In dubio pro embryone? Schwierigkeiten eines Vorsichtsarguments gegen embryonale Stammzellenforschung. In: Ethik Med 25 (2), S. 129–142. DOI: 10.1007/s00481-012-0203-y.

Peters, H.-D.; Kath, R. (2001): Neue therapeutisch aktive monoklonale Antikörper gegen Leukämien und Lymphome. In: Der Onkologe 7 (2), S. 196–199. DOI: 10.1007/s007610170158.

Renale Anämie (2017). In: Nephrologe 12 (5), S. 314–315.

Roos, Martin (2013): Leukämie-Stammzellen früh erwischen. In: Im Focus Onkologie 16 (5), S. 8. DOI: 10.1007/s15015-013-0229-0.

Sayer, H. G.; Beelen, D. W. (2009): Hämatopoetische Stammzelltransplantation. In: Onkologe 15 (6), S. 564–574. DOI: 10.1007/s00761-008-1556-1.

Takahashi, Kazutoshi; Yamanaka, Shinya (2006): Induction of pluripotent stem cells from mouse embryonic and adult fibroblast cultures by defined factors. In: Cell 126 (4), S. 663–676. DOI: 10.1016/j.cell.2006.07.024.

Ziemann, M. (2015): HLA-Antikörper-Monitoring nach Nierentransplantation. In: Nephrologe 10 (6), S. 504–506. DOI: 10.1007/s11560-015-0009-2.

 

[1] Jn 2013.

[2] Renale Anämie 2017; Burdach 2015; Krüssel et al. 2008.

[3] Roos 2013; Peters und Kath 2001.

[4] Kasper et al. 2001; Takahashi und Yamanaka 2006.

[5] Link 2013.

[6] Berger 2007.

[7] Kröger et al. 2004.

[8] Ziemann 2015.

[9] Gordijn 2000.

[10] Einsele und Kanz 1999; Hertenstein und Ganser 2004; Hoffmann et al. 2001; Kienast et al. 2002; Sayer und Beelen 2009.


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