Stammzellen als Wunderwaffe gegen Allergien?

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Stammzellen können bei über 70 schweren Erkrankungen helfen und es werden laufend neue Verfahren und Medikamente aus  ihnen entwickelt[1]. Wir haben schon von aktuellen Erfolgen der Stammzellforschung gegen Krebs[2], Parkinson[3], degenerativen Muskelerkrankungen, Diabetes[4] und vielem mehr berichtet. Nachdem die Weiterverwendung von Stammzellen aus Nabelschnurblut sehr einfach ist, gibt es gute Gründe für eine Spende oder Einlagerung. Nachdem fast jeder von uns eine Allergie hat wollten wir herausfinden, ob Stammzellen auch bei Allergien neue Behandlungsmethoden anbieten?

Allergien: wenn das Immunsystem „verrückt“ spielt

Allergien können von fast allen Fremdkörpern auslöst werden: Nahrungsmittel, Pollen, Metalle und sogar von der Sonne[5]. Nur gegen Wasser und Zucker ist eine allergische Reaktion unwahrscheinlich, sie gelten als nicht immunogen[6]. Eine Allergie bezeichnet eine übertriebene Immunreaktion auf einen grundsätzlich harmlosen Umweltstoff. In Deutschland sind beispielsweise rund 25 % der Bevölkerung von Heuschnupfen betroffen[7]. Besonders traurig macht das die Betroffenen nicht nur wegen den unangenehmen Folgereaktionen, sondern weil die Allergie auch auf die geliebten Vierbeiner anspringen kann[8]. Da werden die süßten Katzenbabys sehr rasch zur unangenehmen Qual: die Nase trieft, der Husten beginnt oder die Haut verfärbt sich. Allergien sind also Reaktionen auf Stoffe, die sich immer außerhalb des Körpers befinden und unterscheiden sich dadurch von den Autoimmunerkrankungen. Andere bekannte Formen der Immunreaktionen sind „Pseudoallergien“ und „Intoleranzen“.

 

Warum nehmen bestimmte Allergien zu?

Mit Blick auf die aktuellen Zahlen zeigt sich, dass immer mehr Menschen mit allergischen Reaktionen zu kämpfen haben. Vermutungen für die Zunahme gibt es viele, allem voran könnte jedoch die übertriebene Hygiene in den hochentwickelten Industrieländern sein, die besonders häufig der städtischen Bevölkerung anzutreffen ist[9]. Das Immunsystem braucht in den ersten Lebensmonaten und Lebensjahren den Kontakt mit speziellen Bakterien damit es resistenter wird. Weitere Gründe für die Zunahme von Allergien sind: westliche Lebensgewohnheiten, neue Chemikalien in der Lebensmittelindustrie, Impfungen und Nebenwirkungen von medikamentösen Behandlungen[10][11].

Können Stammzellen Allergien im Schach halten?

Der Mechanismus der Allergien-Entstehung ist biologisch gesehen noch immer nicht geklärt. Wie kann es möglich sein, dass die Berührung einer Katze sehr schwerwiegende Atemwegserkrankungen auslösen kann? Oder, dass der Stich einer Biene für Betroffene ein Wettrennen gegen die Zeit bedeutet. Die Übertragung einer Allergie per Stammzellen konnte bei einer Transplantation überraschend nachgewiesen werden. Wenn beispielsweise der Spender der Stammzellen eine Allergie gegen Katzenhaare hat, so kann diese allergische Reaktion auf den Empfänger der Stammzellen übertragen werden. Mit dieser Entdeckung wurde die Vermutung laut, dass die Transplantation von fremden Stammzellen eines allergie-freien Spenders möglicherweise Allergien in Schach halten können. Wissenschaftliche Erkenntnisse dauern jedoch Zeit und es müssen viele Versuche durchgeführt werden damit aus einem Einzelfall eine generelle Anwendungsmethode wird.

Bis dato können Stammzellen offiziell noch keine Allergien dämpfen bzw. beseitigen. Doch nachdem dank einer Transplantation von speziellen Stammzellen bei einem Patienten HIV (AIDS) besiegt werden konnte, wird es wohl nur mehr eine Frage der Zeit sein, bis auch Allergien in den Stammzellen einen neues Gegenspieler bekommen.

Warum eignet sich Stammzellen aus Nabelschnurblut?

Es gibt unterschiedliche Gewinnungsmethoden von Stammzellen, doch jene aus Nabelschnurblut bringt einige Vorteile:

  • die Entnahme ist schmerzlos und unkompliziert
  • das Nabelschnurblut hält viele „frische“ neonatale Stammzellen
  • es kann für private Zwecke eingelagert oder öffentlich gespendet werden.

Solltest du dich für eine Spende oder Einlagerung von Stammzellen aus Nabelschnurblut interessieren, so haben wir für dich die wichtigsten Pro- und Contra Argumente zusammengefasst. Eine Übersicht der öffentlichen Nabelschnurblutbanken findest du hier und unser Kostenvergleich der wichtigsten Anbieter in Deutschland kann dir möglicherweise bei deiner Entscheidung helfen.

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Literaturverzeichnis

Bockmann, Annette: Sensibilisierung und Allergie auf Hühnerei und Kuhmilch bei atopischem Ekzem im Säuglings- Kindes- und Erwachsenenalter. @München, Techn. Univ., Diss., 2015. URL: http://mediatum.ub.tum.de/node?id=1231580.

Deutschland (1990): Asthma und Allergie. Öffentliche Anhörung des Ausschusses für Jugend Familie Frauen und Gesundheit des Deutschen Bundestages am 26. April 1986 (Zur Sache <Bonn>, 89,4). Bonn: Dt. Bundestag Referat Öffentlichkeitsarbeit.

Dohmen, D. (2004): Neonatale Stammzellen. Rechtliche Grundlagen und Probleme. In: Bundesgesundheitsblatt, Gesundheitsforschung, Gesundheitsschutz 47 (1), S. 21–30. DOI: 10.1007/s00103-003-0722-2.

Giorgetti, Alessandra; Montserrat, Nuria; Aasen, Trond; Gonzalez, Federico; Rodríguez-Pizà, Ignacio; Vassena, Rita et al. (2009): Generation of induced pluripotent stem cells from human cord blood using OCT4 and SOX2. In: Cell stem cell 5 (4), S. 353–357. DOI: 10.1016/j.stem.2009.09.008.

Gluckman, Eliane; Ruggeri, Annalisa; Volt, Fernanda; Cunha, Renato; Boudjedir, Karim; Rocha, Vanderson (2011): Milestones in umbilical cord blood transplantation. In: British journal of haematology 154 (4), S. 441–447. DOI: 10.1111/j.1365-2141.2011.08598.x.

Gordijn, Bert (2000): Ethische Fragen zur Stammzellentransplantation aus Nabelschnurblut. In: Ethik in der Medizin 12 (1), S. 16–29. DOI: 10.1007/s004810050092.

Greaves, Melvyn F. (2003): Krebs – der blinde Passagier der Evolution. Berlin: Springer.

Hauskeller, Christine (Hg.) (2002): Humane Stammzellen. Therapeutische Optionen, ökonomische Perspektiven, mediale Vermittlung. Tagung. Lengerich: Pabst Science Publ.

Heger, Johanna Pia: Der modifizierte Lymphozytentransformationstest in der Diagnostik einer T-Zell-vermittelten Allergie (Typ-IV-Allergie) gegen Aminopenicilline. @Würzburg, Julius-Maximilians-Univ., Diss., 2015. URL: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:20-opus-118322.

Hoffmann-Sommergruber, Karin; Wiedermann-Schmidt, Ursula; Benesch, Thomas (2008): Allergene Risikoabschätzung einer genetisch modifizierten Maislinie im Vergleich zu der isogenen Kontrolllinie. Evaluierung der möglichen Untersuchungen und deren Aussagekraft ; Endbericht zum BMGF-Projekt GZ 704200298-IVB122005 ; [Report] (Forschungsberichte der Sektion IV / Bundesministerium für Gesundheit, Familie und Jugend, 2008,4). Wien: Bundesministerium für Gesundheit Familie und Jugend Sekt. IV.

Merdivan, Simon: Untersuchungen zur antiallergischen Wirkung von Tricholoma populinum LANGE und Armillaria ostoyae (ROMAGN.) HERINK sowie zur Qualitätssicherung von Pilzen am Beispiel von Polysacchariden/β-Glucanen und Agaritin. Dissertation. URL: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:gbv:9-002651-4.

Renzing, Andrea Inga (2013): Antigenspezifische DNA-Immunisierung in Kombination mit IDO-kodierenden Plasmiden zur Therapie der experimentellen Typ I-Allergie. Mainz, Univ., Diss., 2013. Mainz: Universitätsbibliothek Mainz. URL: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:hebis:77-35415.

Schelkle, Maximilian: Allergie bei Tierärzten. München, Ludwig-Maximilians-Universität, Diss., 2016. URL: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:19-192803.

Stem-cell hope for Parkinson’s (2015). In: Nature 519 (7541), S. 9.

Wikipedia (Hg.) (2019): Diabetes mellitus. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?oldid=184800201, Stand: 24.01.2019.

 

[1] Dohmen 2004; Giorgetti et al. 2009; Gluckman et al. 2011; Gordijn 2000; Hauskeller 2002.

[2] Greaves 2003.

[3] Stem-cell hope for Parkinson’s 2015.

[4] Wikipedia 2019.

[5] Deutschland 1990.

[6] Merdivan.

[7] Renzing 2013.

[8] Schelkle.

[9] Bockmann.

[10] Heger.

[11] Hoffmann-Sommergruber et al. 2008.

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